Du hast eine Pokémon-Karte mit Knick gefunden und möchtest wissen, wie stark der Wertverlust ausfällt? Entscheidend ist nicht nur die sichtbare Falte. Du brauchst auch die genaue Kartenvariante, einen passenden Bewertungsmaßstab und Vergleichspreise für einen ähnlichen Zustand.
Dieser Ratgeber zeigt dir, wie du Knicke, Kratzer und Whitening einordnest, warum Centering gesondert betrachtet werden sollte und wie du einen nachvollziehbaren Vergleichswert findest.
Das Wichtigste in Kürze
Für eine Karte mit Knick gibt es keinen allgemeingültigen Wertverlust in Prozent. Der Abschlag hängt von der konkreten Karte und ihrem Zustand ab. Eine saubere Restfläche macht einen Knick nicht bedeutungslos.
Kratzer betreffen die Oberfläche, Whitening zeigt sich als weißer Abrieb an Kanten oder Ecken. Ungleichmäßiges Centering beschreibt dagegen die Zentrierung des Druckbilds und ist zunächst ein Produktionsmerkmal.
Vergleiche deshalb dieselbe Kartenvariante mit ähnlichen Mängeln – nicht deine beschädigte Karte mit einem makellosen oder hoch gegradeten Exemplar. eBay empfiehlt ebenfalls, gleiche Karten im gleichen Zustand gegenüberzustellen.
Warum ein Knick den Kartenwert deutlich senken kann
Ein Knick ist mehr als eine kleine optische Unregelmäßigkeit: Er beschädigt die Kartenstruktur. Auch eine feine Knicklinie bleibt relevant, wenn sie nur bei seitlichem Licht auffällt. Eine schöne Vorderseite oder scharfe Ecken gleichen diesen Schaden nicht einfach aus.
Wie stark Knicke die Bewertung beeinflussen können, zeigt etwa die Grading-Skala von CGC: Leichte und schwere Knicke werden dort in unterschiedlichen niedrigen Bewertungsbereichen beschrieben. Daraus lässt sich aber weder die konkrete Note deiner Karte noch ein fester Preisabschlag ableiten.
Bewertungsbeispiel, kein Preisbeispiel: Du vergleichst zwei ungegradete Exemplare derselben Pokémon-Karte. Eines hat einen winzigen weißen Punkt am Rand, das andere einen Knick durch das Motiv. Behandle beide nicht allein deshalb als gleichwertig, weil sie sonst sauber aussehen. Suche für das geknickte Exemplar ausdrücklich nach ähnlich beschädigten Vergleichskarten.
Für die grundlegenden Zustandsbegriffe findest du Orientierung im Ratgeber Near Mint und Co.: Kartenzustände richtig bestimmen.
Wölbung, Druckstelle oder Knick: Prüfe den Unterschied
Eine Wölbung ist nicht automatisch ein Knick. Eine Karte kann einen gleichmäßigen Bogen bilden, ohne eine abgegrenzte Knicklinie zu zeigen. Gerade bei Foil-Karten muss diese Unterscheidung berücksichtigt werden. Eine Druckstelle ist dagegen eine örtlich begrenzte Vertiefung; beim Knick ist die Struktur entlang einer Linie beschädigt. Auch eine Wölbung muss nach der verwendeten Zustandsrichtlinie beurteilt werden.
Prüfe die Karte auf einer sauberen Unterlage zuerst von vorne und hinten, anschließend seitlich. Suche nach einer festen Linie, einer gestauchten Ecke oder einer örtlichen Vertiefung. Biege die Karte zur Kontrolle nicht zurück und drücke sie nicht flach.
Notiere möglichst konkret, was du erkennst: „gleichmäßig gewölbt“, „kurzer Knick an der oberen Ecke“ oder „Knicklinie quer über die Rückseite“. Diese Beschreibung ist hilfreicher als das ungenaue Wort „beschädigt“.
Kratzer auf Holo-Flächen: Auch feine Linien zählen
Bei glänzenden Karten lohnt sich eine besonders sorgfältige Kontrolle: Cardmarket weist ausdrücklich auf die Bedeutung von Kratzern bei Foils hin. Eine Karte sollte deshalb nicht allein anhand einer geraden Draufsicht beurteilt werden.
Betrachte die Oberfläche aus mehreren Winkeln. Fotografiere die auffällige Stelle zusätzlich zu beiden vollständigen Kartenseiten. Notiere, ob es sich um eine einzelne Linie, mehrere Spuren oder eine größere matte Fläche handelt. Prüfe außerdem, ob der sichtbare Kratzer tatsächlich auf der Karte oder nur auf ihrer Schutzhülle liegt.
Die Zustandsrichtlinie macht einen Unterschied: Cardmarket ordnet Oberflächenkratzer höchstens „Good“ zu. Die FAQ von Karten-Ankauf.de nennt sehr feine, erst bei genauerem Hinsehen auffallende Kratzer dagegen als mögliches Merkmal von „Excellent“. Diese Einstufungen sind daher nicht unverändert übertragbar.
Vergleiche nicht nur Zustandskürzel, sondern auch die tatsächlichen Mängel. Ein Angebot ohne aussagekräftige Fotos ist dafür eine schwächere Grundlage.
Whitening: Weiße Kanten realistisch einordnen
Whitening bezeichnet weiße Stellen, an denen die farbtragende Oberfläche abgerieben oder abgeplatzt ist. Der hellere Kartenkern wird sichtbar. Auf den dunkleren Rückseiten von Pokémon-Karten fällt dieser Kontrast besonders auf.
Für deine Dokumentation solltest du Anzahl, Größe und Position der Stellen festhalten. Unterscheide einen winzigen Punkt an einer Ecke von längeren abgeriebenen Kanten. Achte außerdem darauf, ob nur Farbe fehlt oder ob der Karton bereits aufgefasert beziehungsweise gestaucht wirkt.
Bewertungsbeispiel: „Leichtes Whitening“ kann auf einem Verkaufsfoto nur einen Punkt zeigen, auf einem anderen mehrere betroffene Ecken. Übernimm deshalb nicht ungeprüft dieselbe Preiseinordnung. Vergleiche das Schadensbild und beschreibe deine Karte möglichst genauso konkret.
Eine ausführliche Prüfroutine findest du im Beitrag Pokémon-Karten-Zustand bewerten.
Centering: Produktionsmerkmal statt Gebrauchsschaden
Centering beschreibt, wie mittig das Druckbild auf der Karte sitzt. Unterschiedlich breite gegenüberliegende Ränder weisen auf eine ungleichmäßige Zentrierung hin. Das ist zunächst kein durch Spielen entstandener Schaden. Cardmarket behandelt verschobene Druckbilder als Produktionsfehler und empfiehlt, solche Besonderheiten zu beschreiben und abzubilden.
Beim professionellen Grading ist die Perspektive eine andere: PSA berücksichtigt die Zentrierung ausdrücklich und unterscheidet zwischen Vorder- und Rückseite. Gleichzeitig zählen weitere Merkmale wie Ecken, Oberfläche und Gesamteindruck. Gutes Centering allein garantiert deshalb keine hohe Note.
Für deinen Preisvergleich bedeutet das: Ein ungegradetes Exemplar ist nicht unmittelbar mit einer Karte vergleichbar, deren Preis auf einer bestätigten hohen Grading-Note beruht. Beurteile Gebrauchsspuren und Zentrierung getrennt und führe beides in deiner Beschreibung auf.
Praktisch: Fotografiere die Karte möglichst gerade von oben und vergleiche links mit rechts sowie oben mit unten. Leite aus einem schräg aufgenommenen Foto keine vermeintlich präzisen Zentrierungswerte ab.
So ermittelst du einen passenden Vergleichswert
Statt vom höchsten gefundenen Preis einen frei gewählten Abschlag abzuziehen, arbeitest du dich von der Karte zum passenden Vergleich vor. Diese fünf Schritte helfen dir dabei.
1. Karte und Variante eindeutig bestimmen: Notiere Spiel, Kartenname, Set, Kartennummer, Sprache und Ausführung. Bei Pokémon dürfen etwa unterschiedliche Holo-Varianten nicht wahllos zusammengefasst werden; bei Magic solltest du ebenfalls Druckversion und Foil-Ausführung unterscheiden. Die Ratgeber zum Wert von Pokémon-Karten und zum Wert von Magic-Karten helfen bei dieser Zuordnung.
2. Schaden dokumentieren: Fotografiere beide Seiten und die auffälligen Stellen. Schreibe beispielsweise „Knick durch die untere Hälfte, zusätzlich Abrieb an zwei Ecken“ statt nur „Played“. So kannst du gezielt nach Exemplaren mit vergleichbaren Mängeln suchen.
3. Passende Verkäufe suchen: Auf eBay kannst du nach verkauften Artikeln filtern. Der offizielle Sammelkarten-Leitfaden empfiehlt den Vergleich gleicher Karten im gleichen Zustand. Kontrolliere die Treffer trotzdem einzeln: Karte, Variante und Schadensbild müssen tatsächlich zu deiner Suche passen.
4. Preistyp und Nebenkosten trennen: Ein laufendes Angebot zeigt einen Wunschpreis, keinen belegten Verkauf. Bei angenommenen Preisvorschlägen kann die eBay-Produktrecherche den tatsächlich erzielten Betrag anzeigen. Prüfe zusätzlich Versandkosten und Verkaufsdatum. Ein Händler-Ankaufspreis ist wiederum nicht mit einem Endkundenpreis gleichzusetzen.
5. Ergebnis als Orientierung festhalten: Nutze möglichst mehrere passende Verkäufe und notiere eine nachvollziehbare Spanne statt eines vermeintlich exakten Werts. Bei wenigen Treffern bleibt die Unsicherheit größer. Ersetze fehlende Vergleichsdaten nicht einfach durch Near-Mint-Preise.
Wichtig ist auch die Vergleichsfrage: Der Preisunterschied zwischen zwei Erhaltungszuständen zeigt nicht automatisch, wie viel deine eigene Karte seit dem Kauf verloren hat. Dafür müsstest du zusätzlich unterschiedliche Zeitpunkte vergleichen. Und dein persönlicher Erinnerungswert lässt sich aus keiner Verkaufsliste ablesen.
Nicht reparieren: Beschreibe den tatsächlichen Zustand
Versuche nicht, Knicke herauszupressen, weiße Kanten nachzufärben oder Kratzer wegzupolieren. PSA nennt unter anderem das Pressen von Knicken, die Entfernung von Kratzern und aufgetragene Substanzen als mögliche Veränderungen des Kartenmaterials. Solche Eingriffe können einer regulären numerischen Bewertung entgegenstehen.
Für den Verkauf ist eine ehrliche Bestandsaufnahme der sinnvollere Weg: Zustand dokumentieren, Karte geschützt aufbewahren und bekannte Bearbeitungen ausdrücklich nennen. Fotografiere Schäden nicht absichtlich so, dass sie hinter Spiegelungen verschwinden.
Lege persönliche Lieblingskarten vor einer Verkaufsentscheidung beiseite. Du musst eine beschädigte Karte nicht verkaufen, nur weil ihr Marktwert niedriger ausfällt als erhofft.
Beschädigte Karten verkaufen: Erst die Ankaufbarkeit prüfen
Ob Karten-Ankauf.de ein bestimmtes Exemplar ankauft, lässt sich nicht allein aus seinem Namen oder einer Zustandsstufe ableiten. Die aktuellen FAQ knüpfen den Einzelkartenankauf unter anderem an die Listung im Ankaufssystem. Eine aufgeführte Zustandskategorie ist keine pauschale Ankaufzusage für jede beschädigte Karte.
Suche die genaue Version und prüfe, welche Zustände für sie angeboten werden. Ist dein Schaden nicht eindeutig abbildbar, kläre ihn vor dem Einsenden über den Kontakt zu Karten-Ankauf.de.
Die FAQ zum Kartenankauf erklärt auch die anschließende Prüfung: Bei abweichender Edition oder abweichendem Zustand kann ein angepasstes Angebot folgen. Der zuvor angezeigte Betrag ist deshalb nicht in jedem Fall der endgültige Auszahlungsbetrag. Stand dieser Prozessangaben: 23. September 2026.
FAQ zu Kartenschäden und Wertverlust
Ist eine seltene Karte mit Knick automatisch wertlos?
Zählt ein Knick auch, wenn er nur auf der Rückseite auffällt?
Kann eine Karte mit Knick noch Near Mint sein?
Nach der aktuell veröffentlichten Definition von Karten-Ankauf.de nicht: Für Near Mint werden Knicke ausgeschlossen. Wähle nicht allein wegen einer sonst sauberen Oberfläche diese Kategorie. Bei unklaren Schäden solltest du die Einstufung vor der Einsendung klären.
Ist eine frisch gezogene Karte automatisch unbeschädigt?
Nein. Auch eine Karte direkt aus dem Booster kann Produktions- oder Handhabungsmängel aufweisen. CGC berücksichtigt solche Merkmale ausdrücklich in seinen TCG-Bewertungskriterien. „Boosterfrisch“ beschreibt daher die Herkunft, ersetzt aber keine Zustandsprüfung.
Wie fotografiere ich einen Knick für den Verkauf?
Zeige Vorderseite, Rückseite und eine zusätzliche Detailaufnahme. Nutze für die Detailansicht seitliches Licht und wähle einen Winkel, in dem die Knicklinie erkennbar ist. Verzichte auf Filter und Retuschen; bewahre daneben eine gerade Gesamtaufnahme zur Orientierung auf.
Lohnt sich Grading bei einer geknickten Karte?
Fazit: Erst den Schaden prüfen, dann den Preis vergleichen
Ein Knick verlangt eine andere Einordnung als etwas Kantenabrieb. Ungleichmäßiges Centering muss wiederum getrennt von Gebrauchsschäden betrachtet werden. Entscheidend ist deshalb nicht nur, dass deine Karte einen Makel hat, sondern welchen, wie deutlich er ausfällt und welcher Bewertungsmaßstab gilt.
Bestimme die genaue Variante, dokumentiere den Zustand und suche nach passenden Vergleichsverkäufen. So ersetzt du pauschale Abschläge durch eine nachvollziehbare Einschätzung.
Als nächsten Schritt kannst du im digitalen Kartenverkauf prüfen, ob deine Kartenvariante aktuell gelistet ist und welcher Ankaufspreis für den angebotenen Zustand angezeigt wird.


